Responsive Webdesign, eine App oder eine mobile Website?

Responsive Webdesign, eine App oder eine mobile Website?

Die Frage, ob sich eine mobile Version des eigenen Webprojekts lohnt, gehört der Vergangenheit an – es ist nicht mehr eine Frage des Ob, sondern des Wie. Angesichts des wachsenden Trends, das Internet auch unterwegs zu nutzen, ist eine starke mobile Präsenz mehr als nur ein großzügiges Bonusangebot. Vor allem der Online-Handel verzeichnet einen massiven Anstieg des mobilen Datenverkehrs, dem ein planlos optimierter Webshop nicht mehr standhalten kann.

Nach den Ergebnissen einer Studie, die das Meinungsforschungsinstitut Ipsos MORI in Zusammenarbeit mit dem Zahlungsdienstleister PayPal durchgeführt hat, scheinen die deutschen Ladenbesitzer gut vorbereitet zu sein: 84 Prozent der teilnehmenden Einzelhändler gaben an, dass sie ihren Shop bereits für mobile Geräte optimiert haben. Allerdings bietet nur jeder fünfte Befragte seinen Kunden eine Smartphone-App an, und nur jeder zehnte eine Tablet-App. Auch andere Webdienstleister und Website-Betreiber stehen vor der schwierigen Entscheidung, welche mobile Umsetzung die optimale Lösung ist. Web-App oder native App, responsives Webdesign oder doch lieber die bewährte mobile Website?

 

Die mobile Website – der Klassiker

Als in den 1990er Jahren die ersten Handys internetfähig wurden, dauerte es nicht lange, bis die ersten für Handys optimierten Websites im Netz auftauchten. Da die Displays der damaligen Handys keine aufwendigen Seiten darstellen konnten, wurden diese ersten mobilen Websites so einfach wie möglich programmiert. Mit der Weiterentwicklung von Technologien wie HTML, CSS und JavaScript und der Einführung neuer mobiler Geräte wie Smartphones und Tablets wurden mobile Websites jedoch immer komplexer.

Heute sind mobile Websites in der Regel eine verkleinerte Version der ursprünglichen Desktop-Version. Aufgrund der schwächeren Hardware und des geringeren übertragbaren Datenvolumens der tragbaren Geräte stehen bei der Entwicklung mobiler Seiten andere Anforderungen im Mittelpunkt als bei der Desktop-Website. Bei der Programmierung muss zum Beispiel besonders darauf geachtet werden, dass die Seite schnell geladen werden kann, eine barrierefreie Benutzeroberfläche hat und eine einfache und schnelle Navigation gewährleistet. Außerdem ist es die Aufgabe des Entwicklers, die mobile Website so zu programmieren, dass sich die Größe und Breite automatisch an den Bildschirm des jeweiligen Endgeräts anpasst.

Vorteile: läuft auf allen Plattformen; losgelöst von der Planung der Desktop-Version; Inhalte können perfekt auf den Nutzer zugeschnitten werden; kostengünstig

Nachteile: erhöhter Pflegeaufwand, da die Inhalte der mobilen Seite nicht deckungsgleich mit denen der Desktop-Variante sind; zusätzliche URL notwendig

Geeignet für: Webprojekte mit statischen Inhalten; kleine Websites

 

Responsive Website – die flexible Lösung

Es ist eines der aktuellsten Themen in der Webentwicklung und mittlerweile auch ein offizieller Rankingfaktor von Google, aber was genau ist Responsive Webdesign? Die Erklärung steckt schon im Namen: Das englische Wort responsive bedeutet auf Deutsch “reagierend”, was die Struktur einer responsiven Website genau beschreibt. Ihre grafische Struktur passt sich während des Ladevorgangs an die Fähigkeiten des zugreifenden Endgeräts an, so dass die Seite allen Nutzern ein ähnliches Maß an Übersichtlichkeit und Benutzerfreundlichkeit bietet. In erster Linie ist dabei die Größe und Auflösung der verschiedenen Displays das entscheidende Kriterium; daneben sind aber auch unterschiedlich verfügbare Eingabemethoden wie Touchscreen oder Maus sowie die verfügbare Bandbreite der Internetverbindung wichtige Aspekte, die beim Responsive Webdesign berücksichtigt werden müssen.

Eine responsive Website unterscheidet sich von der Lösung einer separaten mobilen Website dadurch, dass es nicht zwei verschiedene Versionen des Webauftritts gibt, sondern nur eine. So werden alle Elemente – Textblöcke, Bilder usw. – sind in dieselbe Vorlage integriert, nur ihre Darstellung variiert von Gerät zu Gerät.

Vorteile: läuft auf allen Plattformen; eine Vorlage für alle Geräte; alle Inhalte können über eine einzige URL aufgerufen werden.

Nachteile: hoher Aufwand bei der Planung und Entwicklung; bestehende Desktop-Websites lassen sich nur schwer an Responsive Web Design anpassen

Geeignet für: Blogs; komplett neue Webprojekte

 

Responsive Website – die flexible Lösung

 

Web Apps – die praktischen Browseranwendungen

Webanwendungen, oder kurz Web Apps, sind Anwendungsprogramme, die auf dem Server-Client-Modell basieren. Der Teil der App, der dem Benutzer in seinem Browser angezeigt wird, wird als Client bezeichnet; über diesen Client kann die Webanwendung auch bedient werden. Über das HTTP-Protokoll kommuniziert der Client mit dem Webserver, auf dem sich die Web-App befindet und der dem Nutzer den jeweiligen Dienst zur Verfügung stellt. Im Prinzip fungiert die Website der App, die auch eine eigene URL hat, als Benutzeroberfläche. Im Gegensatz zu klassischen Computeranwendungen ist für die Nutzung einer Web-App keine Installation erforderlich, dafür aber eine bestehende Internetverbindung.

Bei der Nutzung einer Web-App werden in der Regel sogenannte Sitzungsdaten (z. B. Bestelldaten in einem Online-Shop) erstellt und dauerhaft gespeichert. Dies geschieht in der Regel auf der Serverseite auf Datenbankservern oder in Dateien, in einigen Fällen aber auch auf der Clientseite mit Hilfe von HTTP-Cookies. Web-Apps können auf jeder Plattform und auf einer Vielzahl von Geräten genutzt werden. Die einzige Voraussetzung ist, dass der Browser des Nutzers kompatibel ist und die notwendigen Webstandards wie JavaScript oder HTML unterstützt.

Vorteile: läuft auf allen Plattformen; kann jederzeit zusätzlich zur Desktop-Website eingesetzt werden; keine Installation erforderlich.

Nachteile: eingeschränkter Zugriff auf Gerätefunktionen wie Kamera oder GPS; nicht in App-Stores erhältlich; permanente Internetverbindung erforderlich.

Geeignet für: funktionale Webprojekte mit dynamischen Inhalten wie z. B. Online-Shops; Inhouse-Projekte

 

Native Apps – plattformspezifisch und eigenständig

Native Apps zeichnen sich dadurch aus, dass sie speziell auf die jeweilige Zielplattform zugeschnitten sind. Spätestens mit dem Erscheinen des Apple iPhone und der Android-Smartphones haben diese Anwendungsprogramme eine wichtige Rolle im Web eingenommen. Ob Office-Programme, Spiele oder Kalender: Es gibt die unterschiedlichsten nativen Apps von den verschiedensten Herstellern. Im Gegensatz zu Web-Apps müssen native Apps heruntergeladen und installiert werden. Aus diesem Grund bieten fast alle Plattformen spezielle App-Stores an, in denen die Apps zum Download bereitstehen.

Die Entwicklung einer nativen App findet für jedes System separat statt. Für ein einziges Webprojekt müssen also verschiedene Apps programmiert werden, zum Beispiel für iOS, Android und Windows. Die Grundlage dafür ist das jeweilige Software Development Kit (SDK) des entsprechenden Systems. Native Apps ermöglichen den Zugriff auf bestimmte Hardwarefunktionen des Endgeräts, wie z. B. das GPS-Modul oder das Mikrofon. Darüber hinaus speichern sie beliebige Datenmengen direkt auf dem Gerät. Als Betreiber der App hast du die Wahl, ob du sie kostenlos oder gegen eine Gebühr anbietest.

Vorteile: leicht über die App-Stores zu finden; Zugriff auf Gerätefunktionen möglich; kann jederzeit implementiert werden; gute Marketingmöglichkeit.

Nachteile: Programmierung mehrerer Apps inklusive Updates für verschiedene Plattformen notwendig; hohe Auslastung der Hardware auf Seiten der Nutzer/innen.

Geeignet für: komplexe und rechenintensive Webprojekte

 

Fazit

Mit den vier vorgestellten Lösungen kannst du dein Webprojekt mobil machen. Welche Option für dich die beste Wahl ist, hängt ganz von deinen finanziellen Möglichkeiten und der Art deines Webauftritts ab. Wenn dein Budget begrenzt ist, ist eine mobile Website die kostengünstigste und schnell umsetzbare Lösung. Durch die klare Trennung vom Desktop-Original kann sie auch jederzeit umgesetzt werden. Bei einer responsiven Website funktioniert das nicht ganz so einfach. Die notwendigen Änderungen im Code machen die Umstrukturierung einer bereits bestehenden Website schnell zu einer Herkulesaufgabe.

Wenn du jedoch einen komplett neuen Webauftritt planst, macht es durchaus Sinn, über Responsive Webdesign nachzudenken. Vor allem, wenn du regelmäßig neue Inhalte zu deiner Website hinzufügst, wirst du froh sein, wenn du sie nur einmal hinzufügen musst. Wenn du funktionale Inhalte anbieten willst, ist es eine gute Idee, deine Website als App zu veröffentlichen. Zunächst solltest du jedoch klären, ob es sich um eine Web-App oder eine native App handelt. Während Web-Apps schneller zu entwickeln sind und von deinen Nutzern ohne Installation verwendet werden können, haben native Apps ihre Stärken in Bezug auf Marketing und Funktionsvielfalt.

Wenn du über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügst, kann eine Kombination aus mehreren Implementierungen durchaus sinnvoll sein. Facebook-Nutzer/innen können zum Beispiel neben der klassischen Browser-Anwendung für den PC auch auf eine mobile Version oder verschiedene native Apps für iOS und Co. zugreifen. Auf diese Weise erreicht das soziale Netzwerk deutlich mehr Nutzerinnen und Nutzer, als dies bei einer einzigen Implementierungsvariante der Fall wäre. Natürlich ist eine solche Verknüpfung mehrerer Lösungen auch mit einem deutlich höheren Entwicklungs- und Wartungsaufwand verbunden, den du in deine Kalkulation einbeziehen musst.